Schlagwort: Prothesenregister

Internationale Auszeichnung für ImplantFiles

Die Journalisten der Implant Files wurden mit dem Award for Excellence in Health Care Journalism 2018 ausgezeichnet. Ihre Rechercheergebnisse haben im Herbst 2018 die Verbraucher aufgerüttelt. Leider jedoch nicht die verantwortlichen Entscheidungsträger. Denn bis heute hat sich nicht viel bis gar nichts getan. Nichts-Tun hat Tradition: Schon vor zwölf Jahren sollten Operationen mit künstlichen Gelenken in einem bundesweiten Register erfasst werden. Doch bis heute gibt es außer der von den Herstellern als Prothesenregister verkauften Mogelpackung keine systematische und verpflichtende Erfassung der Implantate. Die Nichts-Tuer sitzen und saßen im Bundesgesundheitsministerium: vor 12 Jahren war Ulla Schmidt (SPD) Bundesgesundheitsministerin, dann kamen Philipp Rösler (FDP), Daniel Bahr (FDP) und Hermann Gröhe (CDU). Der aktuelle Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat nun wieder die Einrichtung eines zentralen, beim DimDi (Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information) angesiedelten unabhängigen Prothesenregisters angekündigt: Herr Spahn, die Betroffenen warten darauf, dass Sie Worten nun endlich Taten folgen lassen!

Lesetipps:

Katrin Langhans u.a.: Gefahr im Körper. Das riskante Geschäft mit der Gesundheit. Implant Files. Süddeutsche Zeitung Verlag 2018; 22 €

Eckart Roloff, Karin Henke-Wendt: Geschädigt statt geheilt – Große deutsche Medizin- und Pharmaskandale. Hirzel 2018; 22 €

Forderung der SHG soll umgesetzt werden: Aufbau eines verpflichtenden Prothesenregisters angekündigt!

Wie Print- und Bildmedien berichten, sollen Implantate wie Hüftprothesen und Schrittmacher nun endlich auch in Deutschland zentral registriert werden, um mehr Qualität und Sicherheit für Patienten zu erreichen. Die Badische Zeitung schreibt am 04.04.2019: “Rufe nach schärferer Aufsicht waren etwa nach der 2009 in Freiburg publik gewordenen Einbauserie hunderter fehlerhafter Hüftprothesen … laut geworden”. Vertreter der Selbsthilfegruppe waren 2015 zu einem Gespräch mit dem damaligen Staatssekretär im Ministerium der Justiz und für Verbraucherschutz sowie dem rechtspolitischen Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion nach Berlin gereist, um ihre Forderungen zur Verbesserung der Patientensicherheit nach dem Freiburger Hüftprothesenskandal vorzubringen. Ihre Forderung nach einem unabhängigen staatlichen und zentralen Prothesenregister hat die SHG immer wieder sehr deutlich vorgebracht, auch auf der Homepage der Selbsthilfegruppe (zu den Artikeln hier klicken).

Am Mittwoch, 03. April 2019 beschloss das Bundeskabinett nun, eine verpflichtende staatliche Datenbank aufzubauen, in welche alle Implantate eingetragen werden müssen. “Dadurch wissen wir künftig, wer welches Implantat erhalten hat”, so Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Durch die Datenbank muss jedoch auch erkennbar werden, welche Implantate welche Fehlerquote aufweisen. “Es muss erkennbar sein, wem, wann, wo, wieso und wie welcher Gelenkersatz eingebaut wurde”, so Hanspeter Hauke, Vorsitzender der Selbsthilfegruppe Durom-Metasul-LDH-Hüftprothesen e.V.. Und die Erkenntnisse dürfen nicht nur den Herstellern von Medizinprodukten zugänglich sein, sondern müssen öffentlich sein. Auch dies eine von der Selbsthilfegruppe seit langem vorgebrachte Forderung.

Angesiedelt werden soll das “Implantatregister Deutschland” beim Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (Dimdi), welches dem Bundesgesundheitsministerium untersteht. Wichtig wäre nun in einem nächsten Schritt eine klare Vorgabe der Informationen, die gemeldet und im Implantatregister eingetragen werden müssen mit Sanktionen, wenn dies nicht geschieht. Dies wäre ein Schritt zu mehr Patientensicherheit.

Europäisches Endoprothesenregister

Die Notwendigkeit scheint erkannt: nach den guten Erfahrungen, die in den skandinavischen Ländern mit einem Endoprothesenregister gemacht wurden, werden Forderungen lauter, ein solches auch in anderen Ländern einzuführen. So weit so gut.

Doch während in den skandinavischen Ländern die Teilnahme für Kliniken, Ärzte und Krankenkassen verpflichtend ist und es einen Katalog der zu liefernden Informationen gibt, ist die Teilnahme beim Europäischen Endoprothesenregister als auch beim deutschen Prohtesenregister freiwillig. Am Ende weiss keiner, wer welche Infos eingegeben hat. Zu erwarten ist, dass die Hersteller gerade ihre problematischen Produkte dort nicht melden.

Weitere Infos zum freiwilligen europäischen Endoprothesenregister

Gefährlicher Metallabrieb

In der Sendung defacto vom 20 April 2013 des Hessischen Fernsehens berichtet eine betroffene Patientin von den Auswirkungen des lange nicht festgestellten Metallabrieb. Nachdem sie eine künstliche Hüftprothese erhalten hatte, ging es ihr zunächst gut. Sie hatte keine Probleme. Doch dann begannen die Schmerzen und die Probleme. Erst nach längerem und hartnäckigen Nachfragen bei Ärzten kam heraus, dass ihr Kobaltwert bei 90 lag. Der Referenzwert beträgt 0,4.

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Verpflichtendes Prothesenregister für Österreich gefordert!

Auch in Österreich sind Patienten von dem fehlerhaften Hüftpothesenmodell der Firma DePuy betroffen. Der Skandal hat die Diskussion um ein verpflichtendes Prothesenregister für Österreich in Gang gebracht. Prim. Dr. Josef Hochreiter, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie fordert die Einrichtung eines solchen Registers, um Fehlentwicklungen und Problemfälle rechtzeitig erkennen zu können.

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Professor Hassenpflug zum Prothesenregister

Prof. Dr. Joachim Hassenpflug ist Direktor der Klinik für Orthopädie des Klinikum Schleswig Holstein der Universität Kiel und Geschäftsführer der EPRD gGmbH Endoprothesenregister Deutschlands. Er gehört gleichzeitig dem Gesamtvorstand der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) an.

“Das EPRD ist eine Initiative der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), des Verbandes der Ersatzkassen e. V. (vdek), des AOK-Bundesverbandes, des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed) und des BQS Instituts für Qualität und Patientensicherheit (BQS-Institut). Als gemeinnützige GmbH und 100-prozentige Tochter der DGOOC ist das Endoprothesenregister Deutschland ausschließlich wissenschaftlichen Grundsätzen verpflichtet und garantiert die Unabhängigkeit und Neutralität der Auswertungen” (Pressemitteilung des EPRD vom 28.06.2012).

Um Patienten und Prothesen lückenlos zu erfassen wäre es sicherlich möglich, die Datensätze, die bei den Krankenkassen zu den einzelnen Patienten (Abrechungsdatensätze) vorliegen, auf den Barcode der Endoprothesen zu integrieren. Dagegen spricht sich die EPRD entschieden aus, weil dann die Krankenkassen alle Daten hätten und nicht die EPRD, so Prof. Hassenpflug. Er sagt weiter, dass “dann die Kassen eine Globalmacht über alles hätten. Ein Register muss neutral sein. Kassen wie Hersteller haben eigene wirtschaftliche Interessen und sind als neutrale Stelle nicht geeignet.” Da aber die EPRD gGmbH eine 100%-ige Tochter der DGOOC ist und die DGOOC.

Nachteil dieses Konzeptes ist die freiwillige Beteiligung von Krankenhaus, Ärzten, Patienten, Krankenkassen und Industrie. Da nicht klar ist, wer seine Daten tatsächlich abliefert und in welchem Umfang, sind die Ergebnisse, welche das ERPD einmal im Jahr den Herstellern zur Verfügung stellt, in der Aussagekraft begenzt. Da außerdem nur die Kassenpatienten und von diesen nur nach schriftlicher Zustimmung, dass seine Daten vom Krankenhaus an das IQS weitergegeben werden dürfen, erfasst werden, kann davon ausgegangen werden, dass man mit diesem System weit von einem aussagekräftigen Prothesenregister, mit dem fehlerhafte Meidzinprodukte rasch festgestellt und aus dem Verkehr gezogen werden können, noch weit entfernt ist. Wer allerdings an die Freiwilligkeit der Beteiligten und Betroffenen glaubt, für den mag dieses Prothesenregister ein Schritt in die richtige Richtung sein. Bleibt zu befürchten, dass man sich mit diesem doch sehr rudimentären Prothesenregister zufrieden geben muss.

Gefährliche Metall auf Metall Hüftprothesen

In der englischen medizinischen Fachzeitschrift ‚The Lancet’ erscheint ein Artikel über die Fehlerrate von Metall auf Metallhüftprothesen. Es werden Daten des ‚ National Joint Registry of England and Wales’ untersucht. Das Register besteht seit 2003 und ist die größte Datenbank für künstlichen Gelenkersatz. Das Register erfasst Erst- und Revisionsoperationen an Hüfte und Knie, die in England und Wales durchgeführt wurden. Bis April sind über eine Million Fälle dokumentiert. Folgende Analyse basiert auf über 400.000 Hüfterstoperationen, durchgeführt zwischen 2003 und 2011. Davon waren über 31.000 Metall auf Metall-Hüftprothesen.
Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die Metall auf Metall-Hüftprothesen eine große Versagerquote haben, die von der Kopfgröße der Prothese abhängt: große Metallköpfe versagen früher.
Nach 5 Jahren haben Prothesen mit einem Kopfdurchmesser von 28mm eine Revisionsrate von 3,2%. Bei einem Kopfdurchmesser von 52mm liegt die Revisionsrate bei 5,1%.
Diese Ergebnisse basieren auf Daten von männlichen Patienten mit einem Alter von 60 Jahren.
Bei jüngeren (?) Frauen, deren Metallköpfe einen Durchmesser von 46mm haben, liegt die Revisionsrate bei 6,1%. Die Revisionsrate für 28mm Metall auf Polyethylenprothesen liegt bei dieser Gruppe im Vergleich bei 1.6%.
Diese Ergebnisse führen zu der Erkenntnis, dass Metall auf Metall-Hüftprothesen eine niedrige Überlebensrate haben und nicht implantiert werden sollen. Alle Patienten mit solchen künstlichen Gelenken sollen sorgfältig beobachtet werden, besonders Frauen mit Metallgroßkopfprothesen.

 Weitere Informationen hier

Zulassungspraxis von Medizinprodukten muss verbessert werden!

Prof. Volker Ewerbeck, Direktor der Abteilung für Orthopädie und Unfallchirurgie der Stiftung Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg, fordert vor der Markteinführung von Medizinprodukten wie Hüftprothesen “eine Behörde (…), die solche Medizinprodukte zulässt.” Er fordert ausserdem, dass endlich ein verpflichtendes Melderegister etabliert wird, in welchem alle relevanten Daten zusammen geführt und ausgewertet werden und alle Beteiligten verpflichtet werden, ihre Daten vollständig zu melden.

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Strafanzeige gegen Medizinproduktehersteller

dapd berichtet, dass laut „Spiegel“ der Berliner Anwalt Jörg Heynemann im Namen mehrerer Patienten Strafanzeige gegen den Hersteller De Puy gestellt hat. DePuy ist eine Tochter von Johnson & Johnson. Betroffen sein könnten bis zu 5500 Menschen. Möglicherweise müssen sie sich erneut operieren lassen, weil die Prothesen vorzeitig kaputt gingen. Die Firma habe das künstliche Hüftgelenk vom Markt genommen, nachdem in anderen Ländern ungewöhnlich viele Patienten Beschwerden gehabt hätten.
Viele Patienten wüssten noch nichts von drohenden Problemen, weil es kein zentrales Prothesenregister gebe, schreibt der „Spiegel“. Die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) wolle nun einen neuen Vorstoß für ein solches Register machen. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung forderte grundsätzliche Änderungen. „Es ist kaum zu glauben, aber in Deutschland gibt es für solche Medizinprodukte kein Zulassungsverfahren, wie es für Arzneimittel selbstverständlich ist“, kritisierte Verbandssprecher Florian Lanz. dapd

Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) – Mogelpackung ohne Mehrwert!

Im April 2011 wurde das Deutsche Endoprothesenregister auf den Weg gebracht. „Wesentliche Grundlage für den Erfolg eines Registers ist aus Sicht der Industrie, dass es sich insgesamt um ein unabhängiges, bei der Fachgesellschaft angesiedeltes Register handelt und die ausgewerteten Daten durch die Sicherstellung der Neutralität eine entsprechende Aussagekraft haben“,  betont BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Joachim M. Schmitt auf der Pressekonferenz „Start des Endoprothesenregisters“ (Endoprothesenregister Deutschland – EPRD) am 6. April 2011 in Berlin. Ein Grund zur Freude für Patienten, die von fehlerhaften Hüft- oder Knieprothesen betroffen sind?

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