Pro und Contra minimalinvasiver Operationstechnik

Die minimalinvasive Hüftendoprothetik stößt in der Öffentlichkeit im Moment auf sehr großes Interesse, wobei die hier zu findende Literatur und wissenschaftlichen Arbeiten in einem erheblichen Kontrast dazu stehen, was an unwissenschaftlichen Beiträgen zu finden ist. Allein in Google kann man mehr als 2 Millionen Einträge zu diesem Thema finden, wohingegen in medizinischen Suchmaschinen sehr viel weniger (nur einige tausend) Beiträge zu finden sind und davon wiederum nur eine geringe Zahl, die die hohen wissenschaftlichen Kriterien erfüllt.

Die folgenden Informationen wurden medführer medizinische Transparenz entnommen.

Wo liegen Vor- und Nachteile der minimalinvasiven Operation? Patienten fällt natürlich die kurze Hautinzession auf, die aber den Operateur nur am Rande wirklich interessiert. Aus medizinischer Sicht ist die Schonung der großen Hüftmuskulatur von entscheidender Bedeutung. In der postoperativen Frühphase wirkt sich diese sehr positiv aus. Der Erhalt des Gelenk- und des Muskelgefühles ist ein wichtiger Vorteil, der eine sehr viel raschere Frührehabilitation und Mobilisation ohne Hinken erlauben kann. Wenn der Patient bei guter Schmerztherapie die Implantate sofort belasten darf, wird er dies mit dieser guten Muskulatur auch sehr rasch und gut können. Für die minimalinvasive Hüftoperation sind einige Spezialinstrumente erforderlich, und es ist von Vorteil, wenn man spezielle Implantate, wie Kurzschäfte und knochenschonende Titanschalen als Pfannen, verwendet. Es gibt verschiedene durchaus vergleichbare Operationswege, die eine sanfte Chirurgie erlauben. Hier seien erwähnt ein weiter vorne, mehr seitlich oder hinten gelegener Zugang, die alle in der Hand des erfahrenen Chirurgen gute Ergebnisse liefern können. Entscheidend ist, dass die Muskulatur am Hüftgelenk, die für das Einsetzen des Hüftgelenkes erforderlich ist, bei dem Eingriff möglichst nicht geschädigt oder gar zerstört wird.

Die besten Ergebnisse bei minimalinvasiven Verfahren am Hüft- und Kniegelenk erreicht man natürlich durch eine präoperative Patientenschulung, eine hervorragende Schmerzfreiheit während und nach dem Eingriff sowie ein erfahrenes Team von Physiotherapeuten und Nachbehandlern, die die neuen Möglichkeiten auch zu nutzen wissen und dem Patienten die Fähigkeiten vermitteln, sein rascher und früher zu belastendes Gelenk und seine früher nutzbaren Muskeln auch einzusetzen. Am Hüftgelenk lassen sich auch Vorteile für die Frührehabilitation herausarbeiten.

Im weiteren Verlauf wird sich zeigen, ob die Langzeitergebnisse ähnlich gut oder besser sind als bei herkömmlichen Operationsverfahren. Dies ist noch nicht endgültig entschieden, obwohl einige Operateure glauben, zeigen zu können, dass weniger Hinken, weniger Langzeitmuskelschädigung und weniger Beeinträchtigung der hüftstabilisierenden Muskeln durch diese Verfahren auch über einen längeren Zeitraum auftreten.

Die Nachteile der minimalinvasiven Chirurgie liegen einerseits natürlich in den noch nicht vorhandenen Langzeitergebnissen, die aussagen, wie lange ein durch eine derartige Operation eingesetztes Hüftgelenk auch halten wird, obwohl die Frühzeitergebnisse keine Unterschiede erwarten lassen. Der kleinere Schritt bedingt auch die Notwendigkeit eines erfahrenen, mit der Methode sehr gut vertrauten Chirurgen, da diese dicht auf Becken- und Oberschenkelknochen eingeschränkt ist und bisweilen sogar Hilfsmittel wie gebogene Instrumente und Navigation eingesetzt werden müssen, um die Implantate, ohne den Muskel zu beeinträchtigen, korrekt einzubauen. Blutverlust und postoperativer Schmerzmittelverbrauch scheinen in den Statistiken bisher geringer zu sein als bei Standardzugängen. Die Implantationsqualität am Hüftgelenk scheint vergleichbar zu sein.

Die sanfte Chirurgie am Hüftgelenk scheint in verschiedenen Zugangswegen für den Patienten von Vorteil zu sein, wenn der Operateur wirklich erfahren ist und diese schwierige Technik auch unter Anleitung eines erfahrenen Chirurgen erlernt hat. Die Lernkurve für den Operateur ist lang und schwierig. Der Vorteil für den Patienten ist nur dann gegeben, wenn ein sehr erfahrener Operateur den Eingriff vornimmt und diesen auch wirklich beherrscht.

Schwierig sind bei den minimalinvasiven Eingriffen weiterhin die optimale Implantatpositionierung und die exakte Beinlängeneinschätzung zum Beinlängenausgleich. Auf der anderen Seite sind die Vorteile des kurzen Hautschnittes, des geringen Blutverlustes und der sanften, muskelschonenden Operation mit sehr guten Frühergebnissen und voraussichtlich auch guten muskulären Spätergebnissen sehr verführerisch, diesen Eingriff auch zum Standardeingriff zu erheben, im Interesse des Patienten und der muskelschonenden Operation.