Lockerung der Verbindung Schaftkonus-Kopfadapterhülse Ursache für Prothesenversagen

Die folgenden Ausführungen stellen eine Kurzfassung des im Oktober 2012 erschienenen Artikels dar. Die Übertragung ins Deutsche erfolgte nach bestem Wissen und Gewissen, Irrtum und Änderungen bleiben vorbehalten.

Vor kurzem ist eine Veröffentlichung von den Autoren Meyer, Müller, Goldau, Chamaon, Rütschi und Lohmann mit dem Titel „Corrosion at the Cone/Taper Interface Leads to Failure of Large-diameter Metal-on-metal Total Hip Arthroplasties“ („Korrosion am Konus/Schaftübergang führt zum Versagen bei Großkopfprothesen“) in der Zeitschrift: Clin Orthop Relat Res (2012) 470:3101-3108 erschienen.


Es wurden 114 Revisionen untersucht, die zwischen 2009 und 2010 durchgeführt worden waren. Alle Revisionen wurden an Patienten vorgenommen, die zwischen 2004 und 2008 eine Großkopfprothese (Durom -Metasul-LDH, Zimmer) implantiert bekommen hatten. Die Patienten litten unter Leistenschmerzen und Hinken, röntgenologisch wurden bei ca. 50% Saumbildung und Anzeichen von Osteolyse festgestellt. Neun Patienten hatten nur an der Pfanne Osteolyse und Saumbildung, in 39 Fällen gab es Anzeichen für Osteolyse nur am Schaft und in 11 Fällen sowohl an Schaft als auch an der Pfanne.
Bei den Revisions-Operatoinen wurden Pseudotumore, Gelenkergüsse, Metallosen und Nekrosen festgestellt. Bei 94% trat eine Lockerung der Verbindung Schaftkonus-Kopfadapterhülse auf. Der Übergang Kopfadapterhülse – Kopf war in allen Fällen fest. Für spätere Untersuchungen wurden Gewebeproben aus verschiedenen Bereichen um das Hüftgelenk entnommen. Kopfadapterhülse, Kopf und Pfanne wurden gegen eine Keramik – Polyethylen Paarung ausgetauscht.
Die Metallanalysen des Gewebes ergaben die höchsten Werte bei Titan und Eisen, während Kobalt, Chrom, Molybdän und Nickel in etwa gleich hoher Konzentration vorkamen.

Bei ca. 90% der Revisionen wurde im untersuchten Gewebe eine Abwehrreaktion durch Makrophagen nachgewiesen. 80% der Fälle zeigten Entzündungsreaktionen an Blutgefäßen und nekrotisches (totes) Gewebe. Jedoch nur in 8% der Fälle ließen sich histomorphologisch Lymphozyten nachweisen, die für ALVAL (aseptic lymphocyte-dominated vasculitis-associated lesion) zu erwarten gewesen wären. Mikroskopisch konnten Metallpartikel nur in den Arealen lokalisiert werden, in denen – gesichert durch immunhistochemische Färbemethoden – gleichzeitig auch Monozyten und Makrophagen nachweisbar waren.
Bei den Revisionen konnte kein Zusammenhang zwischen Kopfgröße des Implantates und dem Versagen festgestellt werden.

Die Ergebnisse zeigen, dass in modularen Hüftprothesen die Steckverbindungen sicherer konstruiert werden müssen. Die Ursache für die Revisionen beim Durom-Metasul-LDH-Großkopfprothesenmodell ist das Versagen der Schaft- Kopfverbindung. Durch Reibkorrosion wird Titan und Eisen freigesetzt. Dies führt bei den Patienten zu Fremdkörperreaktionen und Osteolysen. Die Reaktion des Gewebes ist keine Lymphozyten dominierende Reaktion (ALVAL) wie sie bei anderen fehlerhaften Metall/Metallprothesen festgestellt wurde. Es ist nicht möglich das Versagen der Schaft- Kopfverbindung röntgenologisch zu bestimmen. Wenn jedoch Osteolyse und/oder Gelenkergüsse oder Pseudotumore bei Patienten mit modularen Großkopfprothesen auftauchen ist ein Versagen der Verbindung naheliegend. Dieses führt zu Korrosion und Abrieb in das umliegende Gewebe.

Ein Vortrag von Dr. Rütschi mit dem Titel: „Erfahrungen mit Komplikationen bei Großkopfprothesen“,  den er bei der 60. Jahrestagung der VSOU gehalten hat, kann unter folgender Adresse abgerufen werden: http://www.vsou.de/node/2169

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