Anmelden von Ansprüchen für DePuy Patienten

Der Artikel gibt Patienten mit einer ASR Hüftprothese von DePuy Tipps, wie sie ihre Ansprüche gegenüber dem Hersteller anmelden und durchsetzen können.

Um welche Hüftprothesen geht es?

Das ASR™ XLOberflächenersatzsystem besteht aus folgenden Komponenten:

  1. dem Femurschaft, der in den Oberschenkelknochen eingesetzt wird
  2. dem Femurkopf, der mit dem Schaft verbunden wird
  3. der Hüftgelenkspfanne, in welche der Femurkopf eingefügt wird. Sie besteht aus Metall und ersetzt das natürliche Acetabulum (Hüftgelenkspfanne).

Das DePuy ASR™ Oberflächenersatzsystem besteht dagegen aus folgenden Komponenten:

  1. dem natürlichen Femurkopf, dem ein metallene Kappe aufgesetzt wird
  2. dem Acetabulum, welches durch die einteilige Schale ersetzt wird.

Alle Komponenten des ASR™ XL Oberflächenersatzsystems und des DePuy ASR™ Oberflächenersatzsystems sind von dem Rückruf der Firma DePuy betroffen.

Prüfen der persönlichen Situation:

Patienten mit einem Prothesenmodell von DePuy prüfen als erstes in ihrem Prothesenpass, ob sie ein ASR-Hüftsystem implantiert bekomen haben. Wenn ja, sollten sie ihren Arzt/das operierende Krankenhaus aufsuchen und

  1. Das Implantat mit Röntgenbild(ern) auf Sitz, Funktion, Osteolysen, … untersuchen lassen
  2. Blutuntersuchung auf Entzündungswerte (CRP) Leukozyten, Chrom-, Kobalt-, Titanmetallionen

Blutuntersuchungen auf Metallionen sollten von deutschen nach DIN EN ISO 151 189 zertifizierte Labore durch geführt werden. Ob bei der Blutentnahme dabei eine Spritze mit Metallkanüle oder Plastikkanüle verwendet werden sollte, ist strittig. In vielen Fällen wird dazu  geraten, Metallkanülen zu vermeiden.

Folgende Beschwerden werden berichtet:

Schmerzen, Schwellungen, Probleme beim Laufen, erhöhte Metallionenkonzentrationen im Blut, Sehstörungen und Zahnausfall, und andere. Ursachen können sein:

  1. Lockerung des Implantats,
  2. falsche Position der Prothese
  3. Bruch des Knochens um das Implantat
  4. Ausrenkung des künstlichen Gelenks

Verjährungsfristen beachten:

Die Verjährungsfrist von drei Jahren gem. § 12 ProdHaftG ist zu beachten. Der Fristenlauf beginnt mit dem Schluss des Jahres in dem der Geschädigte Kenntnis vom Schaden, Fehler und Ersatzverpflichteten erlangt hat oder hätte erlangen müssen. Zwar wird man davon ausgehen können, dass in vielen Fällen die Kenntnis erst mit dem Rückruf 2010 vorlag und Fristende der 31.12.2013 wäre, jedoch ist immer eine Einzelfallprüfung notwendig. Anzuraten ist, dass sich Geschädigte Verjährungsverzichtserklärungen von der Firma De-Puy einholen. Soweit Kranken- und Pflegekassen der avisierten Abwicklungsvereinbarung mit der Firma DePuy beitreten werden, ist die dort vereinbarte vertragliche Regelung zur Verjährung maßgeblich.

Richtiges Vorgehen:

Erst nach juristischer Beratung durch einen Anwalt sollten betroffene Patienten im Rahmen der Schadensersatz- und Schmerzensgeldregulierungen Verpflichtungserklärungen abgeben bzw. Formulare der Firma DePuy unterschreiben. Der vorzeitige Verzicht etwa in einer Abfindungserklärung kann zu hohen Verlusten, da für Spätfolgen Schmerzensgeld- bzw. Schadensersatzansprüche in der Regel dann nicht mehr durchsetzbar sind.

Explantate sollten nicht an die Firma DePuy herausgeben werden, sondern bei den Betroffenen verbleiben, da sie eventuell als Beweismittel für eine spätere Schadensregulierung benötigt werden.

 Was kann gefordert werden?

DePuy muss den Patienten die nach Bekanntwerden der möglichen Fehlerhaftigkeit des Produkts entstandenen Kosten ersetzen. Dazu gehören alle Kosten, die nicht durch die Krankenkasse abgedeckt wurden oder werden. Da auch die Krankenkassen durch die zusätzlich entstandenen Kosten Ansprüche gegenüber DePuy haben und diese wohl auch einfordern werden, ist es sinnvoll, sich unverbindlich bei seiner Krankenkasse zu erkundigen, welche Schritte dort unternommen wurden oder noch unternommen werden sollen. Die Krankenkassen beraten den Patienten gegebenenfalls auch. Im Blick sollte man als Betroffener jedoch stets behalten, dass die Kassen eigene Interessen verfolgen, die nicht immer mit denen des Patienten identisch sein müssen.

Zusätzlich zu den entstandenen Kosten müssen Schadensersatz- und Schmerzensgeldforderungen geprüft werden. Dies sollte mit einem Fachanwalt für Medizinrecht geklärt werden. Da DePuy das Produkt vom Markt genommen und signalisiert hat, die Forderungen anzuerkennen, könnte ein Beratungsgespräch ausreichen, Der Anwalt sollte die Forderungen dann auch auf seinem Briefkopf und juristisch begründet an DePuy übermitteln. Die Anwaltskosten müssten in diesem Falle wohl auch von DePuy übernommen werden.

Die Höhe des Schmerzensgeldes und des Schadensersatzes richtet sich nach dem Einzelfall. Da sich die Höhe an den Summen orientiert, die von Gerichten in der Vergangenheit gewährt und die Urteile an den Summen, die in der Vergangenheit zugesprochen wurden, stagniert die Höhe der Schmerzensgeldsummen auf erschreckend niedrigem Niveau. In einigen Fällen gebrochener Hüftprothesen wurden Schmerzensgelder in Höhe von 17.000,00 € bis 55.000,00 € je nach Schaden- und Heilungsverlauf zugesprochen. Unabhängig davon ist ein möglicher Schadensersatz zu prüfen.

Celler Schmerzensgeldtabelle

Allgemein wird nach derzeitigem Stand der Erkenntnisse davon ausgegangen, dass die ASR-Systeme fehlerhaft im Sinne des Produkthaftungsgesetzes (ProdHaftG) sind.

Weitere Informationen:

Regressmanagement Medizinprodukte
Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund
der Krankenkassen e.V. (MDS)
Theodor-Althoff-Straße 47
45133 Essen-Bredeney
Telefon: 0201 8327-243
Fax: 0201 8327-3243
E-Mail: c.mende@mds-ev.de
Internet: www.mds-ev.de

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